„Niemand darf ausgegrenzt werden“

Die Chancen zur Teilhabe am Berufsleben und die Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes standen im Mittelpunkt eines rund zweistündigen Besuches von Dr. Hendrik Hoppenstedt. Der Vorsitzende der CDU in der Region Hannover besichtigte am Donnerstag die Werkstätten der Lebenshilfe Seelze.

Anfang 2017 trat das Bundesteilhabegesetz in Kraft. Es soll die Lebensbedingungen vieler Menschen mit Behinderungen verbessern. „Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf sind aber auch im neuen Gesetz außen vor“, kritisiert Herbert Burger, Aufsichtsratsvorsitzender der Lebenshilfe Seelze. Ihr Ausschluss von beruflicher Bildung und Teilhabe werde darin fortgeschrieben und manifestiert. Das Problem: Leistungen sollen wie bisher auch nur diejenigen erhalten, die ein „Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung“ erbringen.

„Diskriminierung ist nicht hinnehmbar“
„Wir legen großen Wert darauf, dass alle Menschen mit einer Behinderung ungehindert Zugang zu einer Werkstatt haben“, betonte
Burger beim Besuch des CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Hendrik Hoppenstedt.
„Wir kritisieren, dass der Gesetzgeber aus der Gruppe geistig behinderter Menschen noch immer einige aussortiert, wenn sie nicht dieses Mindestmaß erbringen können. Die Diskriminierung einer kleinen Gruppe ist nicht hinnehmbar und mit dem Gedanken der Inklusion unvereinbar. Wir erwarten daher schnellstens eine entsprechende Gesetzesänderung. Niemand darf ausgegrenzt werden.“

Gleiche Chancen der Persönlichkeitsentwicklung ermöglichen
An den Standorten Seelze und Holtensen werden rund 550 Menschen mit einer Behinderung ausgebildet, gefördert und ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechend in den Werkstätten beschäftigt. „Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Betreuung und Begleitung von Menschen mit besonders schweren Behinderungen“, sagte Burger. „Wir unternehmen alles, um ihnen gleiche Chancen der Persönlichkeitsentwicklung zu ermöglichen. Je nach Leistungsfähigkeit schaffen wir Außenarbeitsplätze, bemühen uns nach Kräften um Praktikumsstellen und vermitteln und begleiten Arbeitsmöglichkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt.“

Anliegen der Lebenshilfe wird in der Fraktion erörtert
Dr. Hendrik Hoppenstedt konnte die Anliegen der Lebenshilfe nachvollziehen und erklärte, dass in diesem Punkt das Bundesteilhabegesetz noch einmal überarbeitet werden müsse. Um damit erfolgreich sein zu können, dürfe aber nicht nur die Lebenshilfe Seelze das Anliegen verfolgen, sondern auch der Bundesverband sowie andere Einrichtungen, die Menschen mit Behinderung eine Arbeit anbieten. Er versprach, das Thema mit seinen zuständigen Fraktionskollegen zu erörtern.
Beeindruckt zeigte sich Dr. Hendrik Hoppenstedt von den Werkstätten der Lebenshilfe. „Ich habe noch nie so eine große und facettenreiche Einrichtung gesehen. Ich bin sehr beeindruckt und froh, dass ich zu Gast sein durfte“, sagte er.