Rahmenbedingungen für Schulbegleitung müssen verbessert werden

Die Schulbegleitung hat das Ziel, die schulische Eingliederung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen sicherzustellen. Um dieses Thema ging es unter anderem beim Besuch der Parlamentarischen Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundestagsabgeordneten Caren Marks (SPD), in der Beratungsstelle der Lebenshilfe Seelze in Wunstorf.

Damit Kinder und Jugendliche mit Behinderungen allgemeinbildende Schulen besuchen können, benötigen sie die Unterstützung von Schulbegleiterinnen und -begleitern. „In der Praxis ist die Umsetzung aber sehr schwierig, da die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Wenn Inklusion gelingen soll, sind qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notwendig“, machte Gudrun Rohe-Kettwich, Leiterin der Beratungsstelle, deutlich.

„Schulbegleitung ist wichtiger Baustein für Inklusion“
Die derzeitigen Rahmenbedingungen für externe Dienstleister im System Schule beinhalten große Herausforderungen. „Wir halten es daher für notwendig, dass klare und vergleichbare Rahmenbedingungen mit entsprechender Rechtsgrundlage geschaffen werden“, erklärte Rohe-Kettwich. Schulbegleitung benötige eine auskömmliche Finanzierung, in der auch Zeit zur Kommunikation aller Beteiligten bleibe. „Wir setzen auf hohe Qualitätsstandards bei der Ausbildung – und Qualität kostet Geld“, sagte sie. Es könne nicht sein, dass unqualifizierte Kräfte einsetzt werden, die wie qualifizierte Schulbegleiter bezahlt werden. Zudem sei es wichtig, dass Absprachen über die Einleitung der Schulbegleitung in die Organisationsstruktur der Schule aufgenommen werden. „Die Klärung von Aufgaben, Zuständigkeiten und Verantwortung ist die Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit und erfolgreiche Schulbegleitung.“

Bedarf ist enorm gestiegen
Welche Bedeutung die Schulbegleitung mittlerweile hat, zeigte Lebenshilfe-Vorstand Christian Siemers auf. „Vor sechs Jahren hatten wir einen Schulbegleiter. Jetzt sind es etwa 50“, sagte er. „Das ist aber auch eine Kostenfrage. Es gibt noch ein großes Defizit, was die Stunden und die Bezahlung angeht“, fügte er hinzu und forderte in diesem Bereich schnelle Veränderungen ein.

Marks fordert Aufwertung der Sozial- und Gesundheitsberufe
Caren Marks zeigte Verständnis für die Kritik und die Notwendigkeit, Qualitätsstandards für die Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter zu definieren. Aus ihrer Sicht müssten die Schulbegleiter ein wichtiges Scharnier zwischen Kind, Schule und Elternhaus sein. Hierfür fehlen noch die Rahmenbedingungen. In diesem Zusammenhang betonte Caren Marks: „Es darf nicht mehr unterschieden werden, ob und welche Behinderung ein Kind hat, sondern es muss Hilfe aus einer Hand geben“, erläuterte sie. „Kinder sind zuerst einmal Kinder. Darum setze ich mich für die inklusive Lösung im SGB VIII ein.“ Ein weiteres wichtiges Thema sei aus ihrer Sicht der Fachkräftemangel. „Wir müssen die Sozial- und Gesundheitsberufe aufwerten und attraktiver machen. Hier wird wichtige und gute Arbeit geleistet, die Wertschätzung und bessere Bezahlung verdient.“ Insgesamt setzt sich Marks beim Thema Inklusion für ein Umdenken in der Gesellschaft ein. „Häufig fehlen noch Erfahrungen. Wir müssen lernen, Menschen mit Behinderungen unbefangen und selbstverständlich zu begegnen und ihnen die Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.“