Chancengleichheit im Arbeitsleben muss gegeben sein

Jeder Mensch soll die Möglichkeit bekommen, am Arbeitsleben teilzuhaben. Das ist bei Menschen mit schweren Behinderungen nicht immer gewährleistet. Beim Besuch des CDU-Landesvorsitzenden Dr. Bernd Althusmann und des Landtagsabgeordneten Dr. Max Matthiesen in Werk 4 der Lebenshilfe Seelze wurde unter anderem dieses Thema erörtert.

„Im Bundesteilhabegesetz werden Menschen mit hohem Unterstüt-zungsbedarf nach wie vor klar ausgegrenzt“, erklärte Lebenshilfe-Vorstand Christian Siemers. „Doch alle Menschen mit Behinderungen müssen die gleiche Chance bekommen, an unseren Arbeitsangeboten teilzuhaben“, so Siemers weiter. Das hat auch das Bundesteilhabegesetz, das Anfang 2017 zur Verbesserung der Lebensbedingungen vieler Menschen mit Behinderungen in Kraft getreten ist, nicht geändert. „Diese Hürde wollen wir nicht mehr.“

Rahmenbedingungen müssen verändert werden
Schon beim Eingangsverfahren, bei dem festgestellt wird, ob ein Bewerber in den Berufsbildungsbereich der Lebenshilfe aufgenommen werden könne oder nicht, gebe es Änderungsbedarf. „Alle haben das Anrecht auf ein Eingangsverfahren. Aber die Kostenträger lehnen das teilweise vorher schon ab“, erklärte Siemers. „Wir wollen alle Menschen mit Behinderungen in den Berufsbildungsbereich bekommen. Unabhängig davon, ob sie das Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung erbringen oder nicht.“ Das sei besonders wichtig, um Menschen, die einen höheren Unterstützungsbedarf haben, nicht dauerhaft auszugrenzen. Dazu müssten die Rahmenbedingungen verändert werden. „Wir müssen bei jedem Einzelnen schauen, welchen individuellen Hilfebedarf er hat und in welche Richtungen wir fördern können“, erklärte Siemers. Für die Menschen, die umfangreiche Hilfestellung benötigen, reiche die derzeitige Personalausstattung nicht aus.

Unterstützung von Max Matthiesen
„Wir müssen erreichen, dass alle Menschen mit Behinderungen die Chance haben, einem Beruf nachzugehen. Die Lebenshilfe Seelze zeigt, dass alle Menschen arbeiten wollen und können“, sagte Dr. Max Matthiesen. Die Aufgabe für die kommenden Monate bestehe darin,  dafür zu sorgen, dass künftig auch die Menschen mit einem besonderen Unterstützungsbedarf arbeiten können. „Es wird nicht einfach, aber wir sind zuversichtlich, dass wir es hinbekommen“, erklärte der Landtagsabgeordnete.

Althusmann kann Kritik nachvollziehen
Für Dr. Bernd Althusmann seien alle Menschen es wert, dass sie eine qualitative, individuell angepasste Ausbildung bekommen. Er versicherte, sich der Kritik der Lebenshilfe anzunehmen. Das gelte nicht nur für das Bundesteilhabegesetz, sondern auch für strittige Finanzierungsfragen. Dabei gehe es vor allem darum, welche Kosten in Zukunft das Land übernimmt und welche die Kommunen. „Wir müssen die Beteiligten aus Politik, von Lebenshilfe und Paritätischem Wohlfahrtsverband schnell zusammen holen, um sachgerechte Entscheidungen treffen zu können“, sagte er. „Das ist ein nicht unumstrittenes Thema zwischen den Fachpolitikern aller Parteien und wir haben weitreichende Entscheidungen zu treffen. Das werden wir sofort nach der Landtagswahl angehen“, versicherte Dr. Althusmann, der die Lebenshilfe Seelze für ihre Arbeit lobte. „Hier in Seelze ist die individuelle Betreuung das Besondere und die Vielfalt der Ausbildungsberufe, die hier angeboten werden, ist enorm. Das ist ein echter Juwel in der Region“, sagte der CDU-Landesvorsitzende.