Ambulanz für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung

„Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit fördern“

Autismus wird früher erkannt, die Diagnose immer häufiger gestellt. Die Zahl der Betroffenen steigt. Seit Sommer 2016 bietet die Lebenshilfe Seelze spezielle Hilfen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störungen an.

Thomas Dierssen, Leiter der Autismusambulanz, sowie die Pädagogen Swantje Paul-Battermann und Constantin Fink, erklären im Interview, worum es dabei geht.

Warum hat die Lebenshilfe Seelze eine spezifische Autismusförderung eingerichtet?
Thomas Dierssen: „Durch unsere Arbeit in der Frühförderung wissen wir, wie viele Kinder es mit der Diagnose „frühkindlicher Autismus“ oder „Asperger Syndrom“ gibt. Die Zahl der Diagnosen steigt. Die Lebenshilfe Seelze will dem Bedarf gerecht werden. Außerdem gibt es im Umland zu wenig Einrichtungen, die darauf eingestellt sind, diese Kinder zu fördern und die Eltern zu beraten.“

Wie sieht Ihr Angebot konkret aus?
Swantje Paul-Battermann: „Wir haben erst vor kurzem die Arbeit aufgenommen und starten im ersten Schritt mit der mobilen Förderung von Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter.“

Was heißt mobile Förderung?
Constantin Fink: „Wir betreuen und fördern die Kinder zuhause, in ihrem privaten Umfeld, beraten die Eltern und bieten ihnen beispielsweise Hilfen zur Konfliktbewältigung an. Außerdem gehen wir in die Kindergärten und Schulen in unserem Einzugsgebiet und führen Therapiesitzungen vor Ort durch.“

Wie sieht es mit Jugendlichen oder Erwachsenen aus?
Thomas Dierssen: „Auch Schulkindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden wir künftig ambulante Hilfen anbieten. Diese Autismusambulanz ist der nächste Schritt. Nachmittags nach der Schule oder nach der Arbeit können die Betroffenen eine spezielle Förderung bei uns erhalten. Auch in der Lebenshilfe Werkstatt in Seelze arbeiten Menschen mit Autismusstörungen. Ihnen können wir ebenfalls passende Angebote machen.“

Wie können Betroffene von Ihrem Angebot profitieren?
Constantin Fink: „Die Erscheinungsformen bei Autismus sind sehr unterschiedlich. Dementsprechend individuell sind die Therapien. Sie werden an den jeweiligen Stärken und Bedürfnissen der Betroffenen ausgerichtet. Bei Jugendlichen geht es häufig um Sozial- und Kommunikationstrainings. Wie mache ich Small Talk? Wie gestalte ich meine Freizeit? Wie gehe ich auf andere Menschen zu? Wie nutze ich öffentliche Verkehrsmittel?“
Swantje Paul-Battermann: „Ziel der Autismusförderung ist es, den Menschen zu helfen, ihren Alltag besser zu strukturieren und selbstständig zu gestalten. Wir helfen ihnen zum Beispiel dabei, wie sie Sozialkontakte aufbauen oder wie sie besser mit eigenen Gefühlen umgehen können. Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit sind wichtige Ziele.“

Unser Angebot:

  • Mobile und ambulante Entwicklungsbegleitung von autistischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
  • Förderung der sozialen Kompetenz
  • TEACCH
  • Stärkung der Selbstständigkeit im Alltag
  • Förderung der Kommunikation
  • Unterstütze Kommunikation (z.B. Piktogramme, Fotos etc.)
  • Umgang mit Gefühlen
  • Neue Interessen wecken
  • Psychomotorik
  • Beratung der Eltern, Lehrkräfte, ErieherInnen

Merkmale autistischer Störungen

  • Schwierigkeit, Mimik, Gestik, Blickkontakt zu verstehen oder angemessen einzusetzen
  • Keine soziale Imitation, keine Rollenspiele oder „So-tun-als-ob Spiele“
  • Mangelnde Fähigkeit, Freude oder Interessen mit anderen zu teilen
  • Kaum Kontakt zu Gleichaltrigen, Betroffene spielen eher mit
  • älteren/jüngeren Kindern
  • Sensibilität oder Unempfindlichkeit für sensorische Reize
  • Häufige Wiederholungen von Wörtern oder Sätzen
  • Schwierigkeit mit neuen oder unbekannten Situationen
  • Beharren auf der eigenen Ordnung/eigenen Routine
  • Eingeschränkte Spezialinteressen und Hobbys
  • Motorische Ungeschicklichkeit

Betroffene haben auch Stärken

  • Gutes visuelles Gedächtnis
  • Wahrnehmung von Details
  • Regelgeleitetes Verhalten
  • Logisches Denken
  • Wissen über Spezialinteressen
  • Gerechtigkeitssinn
  • Großer Wortschatz

Kosten

Die pädagogisch-therapeutischen Leistungen werden als Eingliederungs- und Jugendhilfe beantragt.

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Unser Team

  • Dipl.-Pädagogen/-innen
  • Dipl.-Heilpädagogen/innen
  • Heilpädagogen/-innen

Unsere Fachkräfte haben autismusspezifische Zusatzqualifikationen

Kontakt

Thomas Dierssen
Tel.: 0 50 31 / 51 51 08

Mobil: 0151 - 16 35 94 62
thomas.dierssen(at)lebenshilfe-seelze.de

 

Adresse

Lebenshilfe Seelze e.V.
Frühförderung
Rudolf-Harbig-Straße 4
31515 Wunstorf

Der Weg zur Frühförderung