Das Publikum verzaubert

Bereits zum vierten Mal gastierte der beliebte inklusive Circus Bombastico beim Gartenfest in Holtensen. Wir begleiteten die Proben und sprachen mit Zirkusdirektor »Bombi«.

Sechs Tage in der Manege

Einmal selbst in der Manege stehen: Davon träumen Kinder, Jugendliche und teilweise auch Erwachsene, wenn sie den Clowns, Artisten und Tieren zuschauen. Für 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zwei Betreuer der Lebenshilfe Seelze ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Mit dem Circus Bombastico tauchten sie in eine ganz besondere Welt ein – von der Kostümierung über die Proben, den Aufbau des Zeltes bis zur öffentlichen Vorstellung.

„Zirkus bis zum Umfallen“ stand auf einem der Tücher, mit denen der Probenraum und anschließend auch das Zelt dekoriert waren. Diese Begeisterung übertrug Zirkusdirektor Bombi zusammen mit seinem Team um Babsine, Bara und Ulli von der ersten Minute an auf alle Beteiligten.

Bunt kostümiert in die Proben
Die wichtigste Lektion gab es gleich zu Beginn: die richtige Verbeugung nach dem Applaus. Auf der Suche nach Kostümen durchwühlten Bombi und Clownin Ulli dann die Koffer nach Hosen, Blusen und Hüten und kleideten die Teilnehmer ein. Die bunten Nasen gestalteten die Lebenshilfe-Mitarbeiter selbst.

"Es hat sich absolut gelohnt"
Und dann ging es richtig los. Vier Tage intensive Proben mit drehenden Tellern, Zauberei, wehenden Fahnen, Tücher jonglieren, Akrobatik und jeder Menge Spaß standen auf dem Programm. „Bombi hat alle Teilnehmer so genommen, wie sie sind. Das hat mich beeindruckt. Es hat sich absolut gelohnt“, sagte Claudia Wille vom Sozialdienst, die zusammen mit Michaela Heuer die Betreuung übernommen hatte und auch selbst auftrat.

Zwei Vorstellungen vor Publikum
Gut vorbereitet ging es schließlich in die Generalprobe vor Mitarbeitern der Lebenshilfe Werkstatt und Bewohnern aus Holtensen und einen Tag später in die Hauptvorstellung beim Gartenfest. Von Nervosität war keine Spur, gekonnt zeigten die Teilnehmer ihr Können – und bekamen dafür den verdienten Applaus. „Es war einfach super. Ich hätte auch gerne noch weitergemacht“, bilanzierte Greta-Cathleen Frehrking. Dieser Meinung schloss sich auch Sabrina Lopez McLean an: „Das war sehr interessant und es hat sehr viel Spaß gemacht, da wir alles ausprobieren konnten.“

»Wir tauchen in eine bunte Welt ein«

Bombi, zum vierten Mal warst Du nun schon mit Deinem Team in Holtensen. Wie ist die Woche aus Deiner Sicht verlaufen?
„Wir sind total zufrieden. Alle haben toll mitgemacht und ich glaube, dass sie richtig viel Spaß hatten. Wir sind gerne in Holtensen und kommen im nächsten Jahr sehr gerne wieder.

Wie gehst Du an die Aufgabe heran, mit fremden Menschen und welchen mit Behinderung etwas einzustudieren?
„Mein Ansatz ist, dass wir in eine bunte Welt eintauchen, mit Spaß und Frohsinn. Aber unser Anspruch ist eine richtige Zirkusvorstellung. Das Schwierigste ist, dass aus dem ‚Wir haben Spaß‘ ein Programm entsteht. Das Ziel ist es, bei der Vorstellung alle Teilnehmer vorne stehen zu haben. Dafür notieren wir uns in den Proben, was jeder kann. Wenn es nicht funktioniert, sind wir spontan und reagieren – auch während der Vorstellung. Für die Meisten ist es etwas Ungewohntes, vorne zu stehen und die Konzentration aufrecht zu halten. Es passieren ganz viele Dinge bei den Personen, wenn sie im Rampenlicht stehen. Aber am Ende bekommt jeder den Applaus für das, was er kann. Das haben sich dann auch alle verdient.

Wie bist Du zum Zirkus gekommen?
„Ich stamme aus einer Kinderzirkus-Familie. In der DDR habe ich bei der evangelischen Kirche unter anderem auch mit Menschen mit Behinderung gearbeitet, daraus ist 1981 der Circus Bombastico entstanden. Seit der Wende sind wir in vielen Ländern unterwegs. Wir waren schon im Senegal, in Tansania, Tschechien, Estland und Finnland. Das alles kann man aber nur so machen, wenn es dein Leben ist.“