Engagement seit 33 Jahre

Jedes Jahr aufs Neue – von Januar bis Dezember – basteln zwischen 20 und 30 Eltern für den Adventsbasar oder backen Torten und Kuchen – und das nun schon seit 33 Jahren. 1985 entstand die Idee, sich aktiv zu beteiligen, seitdem wurde viel Geld eingenommen und an die Lebenshilfe gespendet.

Mehr als 300.000 Euro sind es seit der Gründung, beim Basar im Dezember 2018 war es erneut eine fünfstellige Summe. Diese fließt zum ersten Mal komplett in die Lebenshilfe Stiftung. „Es macht einen schon stolz, wenn man diese Zahl hört“, sagt Edith Reinke, die neben Christa Grimpe und Martha Otto zu den Müttern gehört, die von der ersten Stunde an dabei ist. Ein besonderer Moment sei es gewesen, als nach einigen Jahren 125.000 Deutsche Mark zusammengekommen waren. “So viel hat damals ein Werkstattplatz gekostet. Das war schon ein tolles Gefühl“, erinnert sich Reinke.

Bei Reinkes ist das ganze Jahr Weihnachten

Eine Stunde pro Tag und 365 Tage im Jahr: In den vergangenen 33 Jahren hat Edith Reinke viel Zeit für die Lebenshilfe und insbesondere für den Verkauf beim Adventsbasar investiert. Selbst eine kleine Ruhepause gibt es nicht - und daran will Reinke auch gar nicht denken.  „Bei uns ist das ganze Jahr über Weihnachten. Wenn der Basar zu Ende ist, beginnen schon die Vorbereitungen für den nächsten“, sagt Reinke, deren Sohn bereits seit den 1970er-Jahren bei der Lebenshilfe arbeitet und wohnt.

Auch im Urlaub wird gebastelt
Da ist es auch vollkommen egal, wo sich die 79-Jährige gerade befindet. „Ich habe auch schon in unseren Urlauben auf dem Segelboot die Weihnachtsachen gebastelt. Das ist so schön entspannend und macht mir unheimlich viel Spaß“, berichtet Reinke. „In ihrem Keller sieht es aus, wie auf einem Weihnachtsmarkt“, verdeutlicht Sabine Wackerl aus der Bastelrunde, was das Jahr über passiert. In einem großen Raum sind nicht nur die Materialien gelagert, die zur Herstellung benötigt werden, sondern auch alle fertigen Produkte. Dazu zählen Weihnachtsbäume, Weihnachtskarten und selbst gestrickte Hausschuhe. Produziert wird allerdings immer abends vor dem Fernseher.

Große Unterstützung der Familie
Über die Anzahl ihrer Kunstwerke, die über die Tage, Wochen und Monate entstehen, führt die Lutherin genau Buch. „Ich habe dieses Mal Weihnachtsbäume im Wert von 625 Euro gebastelt“, weiß Reinke genau Bescheid. Um das alles bewältigen zu können, müsse aber auch die Familie mitziehen. „Diese Unterstützung habe ich all die Jahre auch gehabt“, blickt Reinke zurück.

„24 Helfer sind der schönste Adventskalender“

Gespannt beobachtet Yvonne Müller Anfang Oktober die Prospekte der Supermärkte. Dann ist die Sommerpause bei Ferrero Rocher beendet, die ersten Angebote werden veröffentlicht. „Das ist dann Stress auf Rädern“, sagt Müller. Etwa 100 Pakete benötigt die 52-Jährige, um ihre Wichtel, Skifahrer, Schornsteinfeger, Glückspilze und viele weitere Figuren bis zum Adventsbasar herstellen zu können. „Am Ende sind es 1200 bis 1300 Stück“, berichtet Müller, dessen Bruder viele Jahre bei der Lebenshilfe war.

Der Ofen bleibt aus
Seit 17 Jahren entstehen in Garbsen-Horst die Figuren mit der goldenen Kugel, schon davor half Müller anderen Eltern beim Verkauf auf dem Basar. Das Wohnzimmer wird zur Lagerstätte umgewandelt. Bastelmaterialien und Kartons zur Aufbewahrung der fertigen Kunstwerke reihen sich an- und übereinander. Der Ofen wird in dieser Zeit nicht angefeuert, damit die Schokolade nicht schmilzt. „Der Zeitaufwand ist schon groß und man nimmt viel auf sich. Aber ich habe Spaß und Freude daran“, erklärt Müller.

Rückendeckung von allen Seiten
Volle Rückendeckung erfährt sie aus der Familie und auch von Freunden. „Meine 24 Helfer sind der schönste Adventskalender“, richtet die 52-Jährige einen großen Dank an alle Unterstützer. Auch ihre Schwester Nicole Heins ist voll in den Adventsbasar involviert. „Sie kocht das ganze Jahr über Marmeladen ein und stellt Pralinen her“, sagt Müller. Zusammen mit ihrer Freundin Patricia Martinek stehen sie dann pünktlich am Samstag vor dem ersten Advent an ihrem Stand und freuen sich, dass ihre Produkte der absolute Renner sind.

Nachwuchs gesucht

Viele schöne Momente haben die Eltern der Bastelgruppe bereits zusammen erlebt. Diese möchten sie auch in Zukunft genießen und mit anderen teilen. „Es wäre schön, wenn neue und auch jüngere Leute dazu kommen würden. Denn wir werden nicht jünger und es wäre schade, wenn es diesen Kreis irgendwann nicht mehr gibt“, ruft Edith Reinke alle Eltern, Angehörigen und Interessierten zum Mitmachen auf.

"Eine nette Gemeinschaft!
„Jeder kann sich so einbringen, wie er kann und wie es die Zeit zulässt. Ob mehr oder weniger, ist nicht so wichtig“, sagt Reinke. Alle seien herzlich willkommen, auch Personen, die keine Kinder mit Behinderung haben. Obwohl der Großteil der Bastelarbeiten zu Hause entsteht, treffen sich alle immer gerne. „Das ist eine nette Gemeinschaft“, sagt Reinke.

Kreis hat soziale Komponente
Der Zusammenhalt gehe zudem weit über die Bastelei hinaus. „Das ist nicht nur eine handwerkliche, sondern auch eine soziale Komponente. Man kann mit jedem über Probleme sprechen und es bleibt auch in diesem Kreis. Ich fühle mich in der Runde unheimlich wohl“, macht Sabine Wackerl deutlich. „Wir ergänzen uns alle sehr gut und leisten mit unserem Engagement auch gute Öffentlichkeitsarbeit für die Lebenshilfe“, erklärt Edith Reinke.