Paritätische Bustour führte nach Seelze: „Wir müssen reden … über Teilhabe“
Kommunalpolitik und Sozialunternehmen miteinander ins Gespräch bringen – das ist die Idee der „Bustour“ des Paritätischen. Mit mehr als 20 Politiker*innen aus Hannover und der Region hielt der Bus des Wohlfahrtsverbandes Mitte Juni auch bei der Lebenshilfe Seelze. Berufliche Teilhabe, inklusives Wohnen und Autismusförderung standen im Mittelpunkt des Austauschs.
Wie gelingt Teilhabe im Alltag? Welche Unterstützung brauchen Menschen mit Beeinträchtigungen, um selbstbestimmt leben, arbeiten und wohnen zu können? Lebenshilfe-Fachkräfte stellten ihre Arbeit vor und verdeutlichten, in welchen Bereichen politische Unterstützung notwendig ist. Beispiel Autismusförderung. Die Zahl der Menschen im Autismus-Spektrum steige, sagte Philipp Bösemann, Teamleiter der Autismusambulanz. Das Problem: „Oft vergehen mehrere Jahre bis Betroffene eine Diagnose erhalten.“ Zudem gebe es nicht genügend Förderplätze. Lange Wartezeiten und die Unsicherheit seien belastend. Mit Blick auf die Politik machte Bösemann deutlich, dass Diagnose- und Förderangebote weiter ausgebaut werden müssen. Menschen im Autismus-Spektrum seien mit ihren besonderen Stärken und Fähigkeiten eine Bereicherung für die Gesellschaft. Damit sie ihr Potenzial entfalten könnten, brauche es eine verlässliche fachliche Begleitung.
Handlungsbedarf wurde auch beim Thema berufliche Integration deutlich: Damit mehr Menschen mit Beeinträchtigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen können, brauche es mehr Unternehmen, die bereit seien, inklusive Arbeitsplätze zu schaffen, betonte Thomas Gerberding (im Bild rechts), Jobcoach der Lebenshilfe Seelze. Mit Praktika, ausgelagerten Werkstattarbeitsplätzen oder dem Budget für Arbeit gebe es viele Wege für den Ein- oder Wiedereinstieg ins Berufsleben. Davon würden alle profitieren: Unternehmen gewinnen engagierte Mitarbeitende und Menschen mit Unterstützungsbedarf Respekt, Wertschätzung und neue berufliche Perspektiven.
Inklusives Wohnen fördert Zusammenhalt
Auch das Thema Wohnen beschäftigt viele Menschen mit Beeinträchtigungen. Bezahlbare und barrierefreie Wohnungen zu finden, sei für sie nahezu unmöglich, sagte Lebenshilfe Innovationsmanagerin Kathrin Schümann. Wie es funktionieren kann, zeigt die inklusive Wohnanlage der Lebenshilfe im Wunstorfer Ortsteil Luthe. Seit Anfang des Jahres leben hier Menschen mit und ohne Beeinträchtigung unter einem Dach. „Der Zusammenhalt ist besonders“, sagten die Mieterinnen Katharina Kaser (im Bild) und Marina Pfehr. „Wir unterstützen uns alle gegenseitig. Das macht das Leben in Luthe so schön.“ Solche Wohnangebote sind bislang jedoch noch selten. Das Beispiel zeige aber, wie inklusive Wohnformen erfolgreich umgesetzt werden können.
Alle Beteiligten zogen ein positives Fazit des sozial-politischen Speeddatings: „Der Austausch ist wichtig“, betonte Schümann. „Angesichts drohender Kürzungen bei den Sozialleistungen wie der Eingliederungshilfe ist es hilfreich, wenn Politiker*innen einen Einblick in die Praxis sozialer Einrichtungen bekommen und wissen, vor welchen Herausforderungen wir stehen.“ Die vorgestellten Beispiele zeigen nicht nur, was bereits möglich ist. Sie machen zugleich sichtbar, an welchen Stellen politische Unterstützung notwendig ist – beim Ausbau inklusiver Arbeitsplätze, bei der Förderung von Menschen im Autismus-Spektrum und bei der Schaffung von inklusivem Wohnraum.