„Ein Gewinn für alle“: Wie berufliche Integration gelingt
Wie können Menschen mit Unterstützungsbedarf auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen? Die Zusammenarbeit der Lebenshilfe Seelze mit dem EDEKA-Center Schmidt & Christ zeigt, wie dieser Weg Schritt für Schritt funktionieren kann.
Für Hendrik Koerbs ist die Warenannahme im Seelzer EDEKA-Center vertrautes Terrain. Seit Juni 2025 arbeitet der Mitarbeiter der Lebenshilfe Seelze hier auf einem sogenannten „ausgelagerten Arbeitsplatz“. Das bedeutet, Koerbs ist formal weiterhin in der Werkstatt des gemeinnützigen Vereins beschäftigt. Der nächste Schritt in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis wäre das Budget für Arbeit (Lohnkostenzuschuss als Fördermaßnahme des Landes für Arbeitgeber).
Koerbs kam über ein Praktikum in den Markt an der Hannoverschen Straße. Er hat sich schnell eingelebt und mittlerweile feste Aufgaben: Waren annehmen, Leergut sortieren, Kisten und Paletten bereitstellen. Für die Geschäftsführer Lennart Schmidt und Steffen Christ gehört Koerbs fest zum Team. „Wir versuchen ein Arbeitsumfeld zu entwickeln, das ihm gerecht wird und von dem alle profitieren“, sagt Christ. Nur mit der Warenannahme wäre Hendrik aber auf Dauer nicht ausgelastet. „Entsprechend sind wir dabei, zu testen, ob er auch andere Aufgaben übernehmen kann“, sagt Schmidt. „Der Vorteil ist, dass wir ihn langsam heranführen und neue Aufgaben kleinteilig und individuell justieren können.“ Außerdem sei jeder im Betrieb bereit, dieses Modell mitzutragen. „Schließlich haben wir in Hendrik einen Mitarbeiter und Kollegen gefunden, der unser Team bereichert und der bewiesen hat, dass er eine wertvolle Unterstützung ist.

Hendrik Koerbs kam über ein Praktikum zu EDEKA Schmidt & Christ. Seit 2025 arbeitet er in der Warenannahme. „Wir versuchen ein Arbeitsumfeld zu entwickeln, das ihm gerecht wird und von dem alle profitieren“, sagt Geschäftsführer Steffen Christ.
Aktionstag Schichtwechsel am 24.9. - Partnerunternehmen gesucht
Für den Schichtwechsel am 24. September sucht die Lebenshilfe Seelze noch Unternehmen, die Werkstattmitarbeitenden für einen Tag Einblick in ihren Betrieb geben möchten.
Kontakt
Jörg-Olaf Haberland, Berufliche Integration
Tel.: 05137 995 182 / Mobil: 0151 16359449
Mail: joerg-olaf.haberland@lebenshilfe-seelze.de

Integration ist ein gemeinsamer Prozess
„Berufliche Teilhabe können wir nur gemeinsam mit den Unternehmen erreichen“, betont Jörg-Olaf Haberland, Leiter Berufliche Integration bei der Lebenshilfe Seelze. „Wir bilden aus, qualifizieren, fördern, begleiten und betreuen den Übergang ins Arbeitsleben – und stehen sowohl unseren Mitarbeitenden als auch den Unternehmen zur Seite. Wir kennen die Fähigkeiten, Wünsche und den Unterstützungsbedarf unserer Beschäftigten sehr genau und loten mit Betrieben aus, welche Aufgaben und Beschäftigungsformen infrage kommen.“
Fakt ist aber auch: „Nicht für jeden ist der erste Arbeitsmarkt das Richtige, manche fühlen sich dem Druck und den Strukturen nicht gewachsen und bevorzugen die Werkstatt als geschützten Raum“, erklärt Haberland. Berufliche Integration ist vielfältig und der Weg mitunter lang. Allen Beteiligten müsse klar sein, dass es keine Patentrezepte gebe. Und keine Erfolgsgarantie. Praktika und ausgelagerte Arbeitsplätze ermöglichen es aber beiden Seiten, sich kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Es müsse schließlich für beide Seiten passen, sagt Haberland.

„Berufliche Teilhabe können wir nur gemeinsam mit den Unternehmen erreichen.“ EDEKA-Geschäftsführer Steffen Christ (v.li.), Jörg-Olaf Haberland, Leiter Berufliche Integration Lebenshilfe Seelze, und EDEKA-Geschäftsführer Lennart Schmidt.
Von den Unternehmen verlangt dieser Prozess Offenheit, Flexibilität und Ausdauer. Die Lebenshilfe begleitet sowohl die Beschäftigten als auch die Unternehmen und bleibt Ansprechpartner, wenn Schwierigkeiten auftreten oder Aufgaben angepasst werden müssen. Bei EDEKA Schmidt & Christ ist daraus eine langfristige Partnerschaft entstanden. Lennart Schmidt und Steffen Christ möchten mehr Menschen mit Beeinträchtigung integrieren und weitere Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen. Für sein Engagement wurde das Unternehmen im Frühjahr mit dem Förderpreis für Inklusion 2026 der Region Hannover ausgezeichnet.
Aktionstag „Schichtwechsel“ kann der Anfang sein
Wie aber finden Unternehmen und Werkstattbeschäftigte überhaupt zueinander? Eine unkomplizierte Möglichkeit bietet der bundesweite Aktionstag „Schichtwechsel“ am 24. September. Für einen Tag tauschen Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf ihren Arbeitsplatz. Für Unternehmen ist er eine Chance, Menschen mit Beeinträchtigung und ihre Fähigkeiten kennenzulernen. Im besten Fall entstehen daraus neue berufliche Perspektiven.