Mein FSJ bei der Lebenshilfe Seelze

Wie geht’s weiter nach der Schule? Viele junge Menschen haben ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD) nicht auf dem Schirm. Dabei bieten beide Wege viele Chancen, sich zu orientieren. Lebenshilfe-FSJlerin Emily beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welche Voraussetzungen oder Fähigkeiten muss man für ein Freiwilliges Soziales Jahr mitbringen?

„Das Mindestalter ist 16 Jahre, in den Wohnstätten und einigen anderen Bereichen ist es von Vorteil, volljährig zu sein. Ein FSJ kann man bis zum 27. Lebensjahr machen, beim Bundesfreiwilligendienst besteht keine Altersgrenze. Beginnen kannst Du jederzeit, einen festen Einstiegsmonat gibt es nicht. Der Schulabschluss spielt keine Rolle. Wichtig sind in erster Linie Offenheit und Spaß, mit Menschen zu arbeiten. Und natürlich Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Selbständigkeit, und Teamfähigkeit. Ein FSJ ist übrigens auch für ein halbes Jahr möglich.“

Bekomme ich Geld?

„Du bekommst eine monatliche Vergütung von 430 Euro. Wenn Du nicht mehr zu Hause wohnst, sondern eine eigene Wohnung hast oder in einer WG lebst, erhältst Du darüber hinaus noch einen Mietzuschuss von 250 Euro. Der Anspruch auf Kindergeld besteht weiterhin. Davon lässt sich ganz gut leben. Und man darf noch zusätzlich einen Mini-Job annehmen.“

Wie sind die Arbeitszeiten?

„In der Werkstatt, Montag bis Donnerstag von 7.30 Uhr bis 16 Uhr, am Freitag von 7.30 Uhr bis 15 Uhr. In einem FSJ hast Du natürlich auch Anspruch auf Urlaub, bei einer Dauer von zwölf Monaten sind es 30 Urlaubstage. Sehr interessant und spannend sind auch die FSJ-Seminare, normalerweise finden fünf Seminare über jeweils fünf Tage an verschiedenen Orten statt, wo man mit anderen Freiwilligen zusammenkommt. Wegen Corona ist das zurzeit aber leider nicht möglich.“

Welche Einsatzbereiche bietet die Lebenshilfe Seelze für ein FSJ an?

„Das ist ein breites Spektrum an Möglichkeiten, etwa die Bereiche Montage, Hauswirtschaft, Service und Büro, Garten- und Landschaftspflege, Küche oder die Gruppen für Menschen mit besonderem Betreuungsbedarf. Weitere Betätigungsfelder bieten die Wohnstätten in Wunstorf, Holtensen und Idensen. Auch in der Kooperativen Kindertagesstätte in Wunstorf sind regelmäßig FSJler im Einsatz. Insgesamt hält die Lebenshilfe fast 40 Stellen für ein FSJ bereit, die meisten davon in der Werkstatt in Seelze.“

Wie ist die Arbeit mit Menschen mit Behinderung?

„Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung ist abwechslungsreich und lustig. Langweilig wird es nie. Oft gibt es in der Gesellschaft diese Vorstellung von den armen, bemitleidenswerten Behinderten. Auch bei mir im Bekanntenkreis bekomme ich das manchmal zu hören. Aber das ist ein völlig verzerrtes Bild, so ist das gar nicht. Die Lebenshilfe ist kein Trauerverein. Hier ist Action, hier wird gescherzt und gelacht, alle haben Freude. Und es gibt auch nicht DEN Behinderten, diese Stereotype und Vorurteile sind Quatsch. Das sind Menschen mit unterschiedlichen Charakteren und Persönlichkeiten sowie unterschiedlichsten Formen von Beeinträchtigungen. Gerade das macht die Arbeit äußerst interessant und vielfältig.“

Meine schönsten Momente?

„Im Dezember 2019 haben wir uns mit mehreren Leuten und einer Gruppe von Menschen mit Behinderung auch mal außerhalb der Arbeit auf dem Weihnachtsmarkt getroffen, das war echt toll. Aber im Grunde sind es ganz allgemein die intensiven menschlichen Erlebnisse und Erfahrungen, die mir immer wieder superschöne und bereichernde Momente bescheren. Zu manchen habe ich eine sehr vertrauensvolle Beziehung aufbauen können, das fühlt sich gut an und gibt mir viel. Ich bin dankbar und empfinde es als Privileg, dass ich hier bei der Lebenshilfe mein FSJ machen darf.“

Was nehme ich mit aus meinem FSJ bei der Lebenshilfe?

„Das FSJ hat mich in meiner Entwicklung enorm weitergebracht. Mein Wunsch, später in einem sozialen Beruf tätig sein zu wollen, hat sich dadurch weiter verstärkt. Ich werde nach dem FSJ eine Ausbildung zur Krankenschwester machen und anschließend eventuell Kindheitspädagogik studieren. Aber der Freiwilligendienst bei der Lebenshilfe hat mir noch weit mehr gegeben als berufliche Orientierung. Meine Einstellung zum Leben hat sich verändert. Man bekommt eine andere Sicht auf die Dinge. Ich weiß vieles, was mir früher selbstverständlich erschien, nun viel mehr zu schätzen. Und ich bin jetzt ganz bewusst darauf bedacht, meine Zeit sinnvoll zu nutzen und für Dinge einzusetzen, die wirklich wichtig sind. Die Arbeit hier hat mich geerdet und zu den Grundwerten des Lebens zurückgeführt, das mag sich etwas pathetisch anhören, ist aber so.“

Kontakt

Jens GronemeierLeiter des Sozialdienstes jens.gronemeier@lebenshilfe-seelze.de 05137 – 995 145
Adresse
Lebenshilfe Seelze
Vor den Specken 3b
30926 Seelze